بِدون قَرار (bidun qarar)

by Semier Insayif


بِدون قَرار (bidun qarar)

i carve letters

into eternal ice

(but what is eternal after all?)

حَرف وَ حُروف

ħarf wa ħurūf

حِريف لا خَروف

ħirrīf la charūf

punch out entire syllables

break them off and

a word appears

on the tip of my tongue

becoming stiff with cold

melting line for line

watering in my mouth

mixing with my saliva

dripping slowly

out of me

into me

borderland of lips

شَفَوات حُدود بُلدان

schafaūāt ħudūd buldān

 

i carve the word skin

جِلد بَشَرة قِشرة زَبَد

dschild baschara qischra zabad

into the bark of a tree

into the green of a leaf

(but what is green after all?)

the word is stuck

like a cry of the hand

under the skin of my fingers

i crown it with accents

lines and dots

and set my limits

first in writing then orally

ثُمَّ شَفَوي تَحريري

taħrīrī thumma schafaūī

 

i carve letters and words

on my blue tongue

red ink drips

لِسان أزرَق

lisān azraq

حِبر أحمَر

ħibr aħmar

i punch out lines of thought

(but what is a thought after all?)

break into their core

and suck in verses

of transparent blood

دَمٌّ شَفافٌ

dammun schafāfun

bitten from my lips

swept under my palate

each syllable becomes the opposite

of its desired freedom

حُرِّية

ħurrīja

 

letters carve

white strips of paper

under my eyelids

opening and closing

the silent air

سُكون ألهَواء

sukun al-haua:

(but what is silence after all?)

dripping verses staunching

wounds and wonders

in me and around me

icicle landscape

breaking off

piece by piece

word by word

hound for heart

and heart for hound

كَلب لِلقَلب

kalb lilqalb

وَ قَلب لِلكَلب

wa qalb lilkalb

laid open to the core

(but what is the core after all?)

and fathom

less

© translated by Renée von Paschen

بِدون قَرار (bidūn qarār)

ich ritze buchstaben

in ewiges eis

(aber was ist schon ewig?)

حَرف وَ حُروف

ħarf wa ħurūf

حِريف لا خَروف

ħirrīf la charūf

stanze ganze silben heraus

breche sie ab und

zu fällt ein wort

auf meine zunge

wird starr vor kälte

zeile für zeile schmilzt

verwässert im mund

vermischt sich mit speichel

und tropft langsam

aus mir heraus

in mich hinein

lippengrenzland

شَفَوات حُدود بُلدان

schafaūāt ħudūd buldān

 

ich ritze das wort haut

جِلد بَشَرة قِشرة زَبَد

dschild baschara qischra zabad

in die rinde eines baumes

in das grün eines blattes

(aber was ist schon grün?)

das wort steckt fest

als schrei meiner hand

unter der haut meiner finger

bekränze ich es mit linien

strichen und punkten

und begrenze mich

erst schriftlich dann mündlich

ثُمَّ شَفَوي تَحريري

taħrīrī thumma schafaūī

 

ich ritze buchstaben und worte

auf meine blaue zunge

perlt rote tinte

لِسان أزرَق

lisān azraq

حِبر أحمَر

ħibr aħmar

ich stanze gedankenzeilen

(aber was ist schon ein gedanke?)

breche in ihr fleisch

und sauge verse

aus transparentem blut

دَمٌّ شَفافٌ

dammun schafāfun

auf die lippen gebissen

unter den gaumen gekehrt

wird jede silbe zum gegenteil

ihrer angestrebten freiheit

حُرِّية

hurrija

 

buchstaben ritzen mir

weiße streifen aus papier

unter die augen lider

öffnen und schließen

die stille der luft

سُكون ألهَواء

sukūn al-haūa:

(aber was ist schon stille?)

verstropfen verstopfen

die wunder und wunden

in mir und um mich herum

eiszapfenlandschaft

bricht

stück für stück

wort für wort

hund für herz

und herz für hund

كَلب لِلقَلب

kalb lilqalb

وَ قَلب لِلكَلب

wa qalb lilkalb

ganz am grund ab gelegt

(aber was ist schon ein grund?)

und boden

los

© Semier Insayif, boden los (Haymonverlag, 2012)