silex I

the red dogwood bends in the pipe wind

frozen organ sound from the winter sky

white paper pieces of thoughts are falling

 

the ancient seabead is alien to this air

only since a few millions of years no salt water flood!

the hours seep into the moss at the forest’s edge

 

hurt by the sun the waste rock glimmers

broken from cold crag into my field of vision

a path is depicted in pencil grey

 

the hands collect sedimentary rock

warmed by hope where it glimmers golden

when a spark leaps over the continental margin

 

sedimented inside me cretaceously

unpolished natural stone words flee

like lava through the typeface

 

out of the rock a language bursts for me

wet and unsworn pencil witnesses are waiting

washed out of the new world

 

but there is a question for the bedrock –

silicic acid nests doubtfully near the heart

who will collect this tinder when it is cold

lift the stone from the ground when necessary?

 

one step

and i am above

the snow line

even the erased words

have a place to stay

© translated by Andreas Schachermayr

silex I

der rote hartriegel biegt sich im pfeifenwind

eingefrorene orgelklänge vom winterhimmel

fallen gedankenfetzen aus weißem papier

 

der alte meeresboden liegt fremd in dieser luft

erst seit millionen jahren keine salzwasserflut!

im moos am waldrand versickern die stunden

 

von der sonne verletzt glänzt das taube gestein

aus kühlem fels in mein sichtfeld gebrochen

es ist ein weg in bleistiftgrau beschrieben

 

die hände sammeln sedimentgestein

mit hoffnung erwärmt wo es golden glimmt

als ein funke über den kontinentalrand springt

 

in meinem innern kreidezeitlich abgelagert

ungeschliffene natursteinworte fliehen

wie ein schmelzfluss durchs schriftbild

 

aus dem felsen ist mir eine sprache gebrochen

nass und unvereidigt warten bleistiftzeugen

herausgewaschen aus der neuen welt

 

doch es stellt sich die frage ans muttergestein –

kieselsäure nistet sich zweifelnd in herznähe ein

wer wird diesen zunder wenn ihm kalt ist lesen

den stein wenn es sein muss vom boden aufheben?

 

ein schritt

und ich bin über

der schneefallgrenze

auch die ausradierten worte

haben einen ort zum bleiben

© Lydia Steinbacher, aus dem Band „silex“ aus der Reihe "Neue Lyrik aus Österreich", Band 5, 2014 (Verlag Berger, Horn)