nyctinasty

like clover folds its leaves at night

you turn inward hesitantly

in the damp conifer forest

into which the night deepens

can your life reinvent itself?

verses drifting in the ostensible wind

mingled with moons and crows

where the eyes go astray

chords that fall apart

in the vegetable organ of silence

you hold them tight with the last will

with all fingers on the keyboard

the chasms between the atonal sounds

like the silence between words

unspeakably earthily the roots die away

feeling that something gets lost

you have to breathe deeper now

 

the fog hangs riven in the branches

cold sun rains through the thicket

an emptied sky pond

the blue nestles under your skin

do you recognize it? in the glimmer

the veins perpetuate in you

you were found in time

the leaflets of the clover unfold

in your eyes chest and mouth

sprout dicotyledonous thoughts

softly you voice a consent

with open hands turned into the distance

the wounded music heals in the light

your tides are floating in the true wind

you have to unfold again

you still have steps to take

you have to breathe deeper now

© translated by Andreas Schachermayr

nyktinastie

wie der klee nachts seine blätter faltet

kehrst du dich zögernd nach innen

im feuchten nadelwald

in den die nacht sich vertieft

kann sich dein leben neu erfinden?

im scheinbaren wind treibende verse

vermischt mit monden und krähen

wo sich die augen verirren

auseinanderfallende akkorde

im pflanzlichen organ der stille

du hältst sie fest mit dem letzten willen

mit jedem finger auf die tasten gelegt

die abgründe zwischen den ungebundenen tönen

wie das schweigen zwischen den worten

unsagbar erdig ersterben die wurzeln

im gefühl es geht etwas verloren

du musst jetzt tiefer atmen

 

der nebel hängt zerrissen im ast

kalte sonne regnet durchs dickicht

ausgelassener himmelsteich

die bläue schmiegt sich unter deine haut

erkennst du sie wieder? im schimmern

die adern schreiben sich fort in dir

du wurdest rechtzeitig gefunden

die fiederblätter des klees entfalten sich

in deinen augen der brust und dem mund

sprießen zweikeimblättrige gedanken

leise sprichst du ein einverständnis

mit offenen händen in die ferne gewandt

die verletzte musik heilt sich im licht

im wahren wind treiben deine gezeiten

du musst dich wieder entfalten

du hast noch schritte zu gehen

du musst jetzt tiefer atmen

© Lydia Steinbacher