true local time

by Lydia Steinbacher


true local time

unwittingly i stepped with my feet

into the sundial’s face

the hour lines lie loosely in the shadow

the border of time is transient

 

a shard splinters from the skin

mirroring the last sunray

i show venus a constellation of the earth

 

cautiously leaning on the shadow stick

the senses aligned to the celestial pole

my inside is akin to the darkness

 

silent fears perch on my neck like butterflies

contained in concentric annual rings

a nightshade plant which ages

 

the local time lingers vaguely in the twilight

only in the morning a line on the dial guides me

transforms me into the hand of broken hours

 

my shadow is a thousand times longer than i

is burdened heavily and in daylight

it’s harder to bear

than late in the evening

© translated by Andreas Schachermayr

die wahre ortszeit

ich bin nicht aus absicht mit meinen füßen

ins ziffernblatt der sonnenuhr getreten

die stundenlinien sind lose im schatten

die grenze der zeit ist schwankend

 

aus der haut splittert eine scherbe

es ist der letzte sonnenstrahl verspiegelt

ich zeige der venus ein sternbild der erde

 

mit vorsicht gelehnt an den schattenstab

die sinne ausgerichtet zu den himmelspolen

mein innenleben ist der dunkelheit verwandt

 

mir sitzen stille ängste wie falter im nacken

in konzentrischen jahresringen enthalten

ein nachtschattengewächs das altert

 

die ortszeit liegt noch unklar im schummer

erst morgens lenkt mich ein messstrich der uhr

macht mich zum zeiger gebrochener stunden

 

mein schatten ist tausendmal länger als ich

an ihm hängt viel gewicht und im licht

lässt er sich schwerer tragen

als am späten abend

© Lydia Steinbacher, aus dem Band „silex“ aus der Reihe "Neue Lyrik aus Österreich", Band 5, 2014 (Verlag Berger, Horn)